Melden Sie sich für unseren Newsletter an

Wie alles begann ...

Das Würzburger Rathaus - volkstümlich, allgemein und kurz "Grafeneckart" genannt - besteht heute aus einer Gruppe von Gebäuden verschiedener Epochen. Kernstück ist der "Hof zum Grafeneckart" mit Turm und Saalbau aus den Jahren um 1200, der einzige erhaltene Profianbau der Stauferzeit, die Würzburgs erste Blütezeit gewesen ist. Der Hof wurde 1180 erwähnt – als Sitz des fürstbischöflichen Schultheißen und 1212 nach jenem Grafen Eckart genannt, der als Stellvertreter des Burggrafen die Amtsbezeichnung eines Grafen führte und hier Dienstsitz und Wohnung hatte. Der Name blieb durch die Jahrhunderte.

Anfang des 14. Jahrhunderts besaß die Familie vom Rebstock den Hof und verkaufte ihn im Jahre 1316 an die Stadt, die ihn künftig als Rathaus verwenden wollte. Hier empfingen die Ratsherren im Jahre 1399 König Wenzel zu einem von der Legende umrankten Besuch, der Würzburg für kurze Zeit die Reichsfreiheit verschaffte - nach diesem Herrscher wird der romanische Festsaal benannt.

Schon 1359 hatte man eine gotische Ratskapelle hinter dem Grafeneckart gebaut und Mitte des 15. Jahrhunderts brachte man den mit Helm und Uhr geschmückten Turm auf seine jetzige Höhe. Hundert Jahre später bereicherte man den Wenzelsaal mit dem malerischen Erker und gegen Ende des 16. Jahrhunderts wurden über dem Saal durch Meister Wolf Behringer, der auch Schloß Weikersheim erbaute, im Stil der fränkischen Renaissance noch zwei Stockwerke aufgesetzt. Damals ließen die Ratsherren neben der Kapelle auch ein eigenes Kalterhaus bauen sowie zwanzig Jahre später eine Ratsstube mit eigenem Treppenhaus und Laube.

Bald nach dem Dreißigjährigen Krieg schmückte die Stadt ihr Rathaus mit dem 1659 vollendeten "Roten Bau" von Peter Zwerger, hinter dessen zierlicher Frühbarockfassade sich der neue Sitzungssaal befindet. Nach Aufhebung der Klöster kaufte die Stadt 1822 schließlich den rückwärts anstoßenden, dreiflügeligen Barockbau des nun leer stehenden Karmelitenklosters zur Erweiterung des Rathauskomplexes. Die letzte Jahrhundertwende leistete man sich noch den Neubau an der Karmelitenstraße, welcher im Gegensatz zur Mainbrücke in den aufwendigeren Formen der Neu-Renaissance erstrahlt.

In dem malerisch verschachtelten und durch die Jahrhunderte zusammengewachsenen Rathauskomplex spiegelt sich die Geschichte der Bischofsstadt, die zwar Bürgermeister und Rat besaß, aber die Reichsfreiheit nicht hatte erringen können. So hat sich Würzburg auch nie - wie es selbst kleinere Reichsstädte vermochten - einen ansehnlichen Rathausbau leisten können, sondern sich mit einem Altbau samt vielen Erweiterungen zufrieden geben müssen.

Nach Brand und Zerstörung zum Kriegsende 1945 hat das rund um den Grafeneckart wiedererstandene Würzburg sich auch sein Rathaus inmitten der Ruinen wieder behaglich eingerichtet, um schließlich das gelungene Aufbauwerk 1973 durch Wiederherstellung des Ratskellers zu krönen, der hier schon 1914 eingerichtet worden war. Der Würzburger Ratskeller lebt in dem verschachtelten Mauerwerk, aus einer Zeit von vor 750 Jahren, im Herzen der Stadt, in der einst die Ratsherren an Tilmann Riemenschneiders Tisch in der Ratstrinkstube tagten, wo an den Feiertagen die Ratsfamilien ihren Tanz hielten oder zur Barockzeit auch der Fürstbischof zu Gast war. Hier lädt der neue Ratskeller mit seiner weltweiten, gastronomischen Tradition jetzt die Bürger Würzburgs und die Gäste der Stadt - von nah und fern - zur Einkehr in die vorwiegend von heimischen Künstlern und Handwerkern mit Phantasie und Liebe ausgestalteten Gewölbe und Stuben des "Grafeneckart" ein.

Würzburgs Wahrzeichen: Der Grafeneckart.